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Konzentrationslager DachauParallelansicht ⇨
Gesprächsprotokoll/Persönliche Reflexion, 16. und 19. Mai 1945

KZ Dachau

Jeder Deutsche, ob mit oder ohne Uniform ist mitverantwortlich für das, was in den KZ geschehen ist - 16.5.45 in den 22.00-Uhr-Meldungen. Also doch, der Kampf ging nicht gegen die Partei allein, sondern gegen das deutsche Volk. „Jeder im deutschen Volk mitverantwortlich“. Eine Anklage, obwohl die Angeklagten versichern, sie haben nichts davon gewußt. Gegen diese Verleumdung des deutschen Volkes, gegen diesen echt amerikanischen, journalistischen Versuch, aus den Konzentrationslagern eine Welthetze gegen Deutschland zu machen ...

Voraus gesagt, daß jeder denkende, anständige Mensch schon diese himmelschreienden Greuel einer satanischen Parteigruppe, (nicht der ganzen Partei) verabscheut ... Man kann aber nicht auftreten gegen eine Sache, die man nicht kennt, und wenn der Einzelne allgemein Kenntnis davon gehabt hat, zu deren Abstellung man absolut machtlos ist.

Wir stellen die Gegenfrage: Wie war es möglich, daß die Journalisten und Kulturhelden in Amerika von Dachau nichts wußten, obwohl im ersten Kriegsjahr ein aus Dachau entkommener Häftling (es soll ein Schauspieler gewesen sein) die Grausamkeit von dort genau geschildert hat? Uns Deutschen war es nicht möglich, das Buch uns zu verschaffen, wir wussten nur von solchen Tatsachen aus Schweizer Zeitungen, die damals noch ins Land kamen - aber die amerikanischen Journalisten mußten doch davon wissen.

Man will uns zum Verbrechen machen, daß wir nicht abgestellt haben, zum wenigsten nicht der Welt davon Kenntnis gegeben haben. Wir hatten, auch wenn wir gewusst hätten, keine Möglichkeit. Wo aber blieb das Internationale Rote Kreuz von Genf, das gegen Ende des Krieges sich wohl einige Male in unseren Lazaretten sehen ließ, warum nicht in Dachau? Ich habe einen Herren, der in die Schweiz reiste, gebeten, beim Roten Kreuz vorzusprechen.

Passen Sie auf, daß Sie späteren Geschlechtern nicht von ihrer Seite Stoff liefern. Gefangenentransport an der Donnersbergerbrücke! Die Sträflinge wurden in Dachau zurückbehalten, darunter 50 Geistliche erst auf unser Bitten entlassen - weil immer neue Journalisten aus Amerika dort eintrafen und filmen wollten und dazu nun 32 000 zurückbleiben sollten!! Mitte Mai als die ersten Haufen von gefangenen Soldaten und Zivilisten in Lagern gesammelt und zu 20 000, 30 000, in Bad Aibling auch 70 000 zusammengetrieben wurden - Tag und Nacht im Freien, ohne Verpflegung und sogar ohne einen Trunk Wasser (freilich war das Aufgabe des besetzten Landes, wir wußten aber tagelang nichts von diesen Massenlagern), daß erst allmählich die Bauern der Umgebung Nahrungsmittel bringen konnten - war das Elend und die Sterblichkeit in diesen Massenlagern ohne Barmherzigkeit nicht auch ein Stück Dachau?

Die Entrüstung über den Film von Dachau. Erstens einiges ungenau: Die fünfzig Bahnwagen mit männlichen Leichen gingen nicht von Dachau, auch nicht von „Unterlagern“ von Dachau wie Green behauptet, sondern von Buchenwald nach Dachau umgebracht worden! Dort waren die Leichen ausgestellt, davor SS mit eingeschlagenen Schädeln. Hätten wir in einem Film die unmenschlichen Bilder nach dem einen Flugüberfall amerikanischer Flieger vor Augen, die Menschen, die verschüttet, zerfetzt waren - Köpfe und Arme lagen auf der Stiege, der Rumpf überhaupt nicht gefunden, - Mütter, die im Freien überrascht, tragen in einem Kübel die zerrissenen Körperteile von ihren Kindern nach Hause oder auf den Friedhof!! Die Weltgeschichte wird außer dem Verbrechen in Dachau noch von anderen Schreckensbildern und Verbrechen erzählen.

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Dachau 2)

Meinen Gesuchen, die Geistlichen aus dem Lager Gauting zu entlassen - Antwort: Denken Sie, also Entschuldigung für alles. Hat der katholische Geistliche von dort den gefangenen Geistlichen gesagt: „Denkt an Dachau, was die Deutschen dort verbrochen haben“. Die Schandtaten im spanischen Bürgerkrieg, weil der Vorsitzende Spanier ist. In Freising merkt man schon, daß die Herren der Welt auf uns Deutsche von oben herunter schauen und wieder und alle wie Dachauer Untermenschen behandeln.

Colonel Oberst, katholisch, Chavez bei mir 19.5.45, 16.00 Uhr - er wollte schon früher kommen. Dabei ein Dolmetscher, ein Stenograph und Thalhamer. Nicht vergessen: Was in deutschen Lazaretten für die Gefangenen geschehen confer Freising trotz Vorschrift. - Die Schwestern. Nahrung vorgeschrieben, aber Zulage. Russen dankbar, bis.. Dort sind himmelschreiende Dinge vorgekommen, nicht bloß Deutschland bad - abscheulich. Er wollte vereidigen - Nein. Ich kann aber nicht im Namen der deutschen Bischöfe sprechen. Haben Sie davon gewußt? Wir haben das und jenes gehört, aber nicht in der Lage, nachzuprüfen und Bestimmtes zu erfahren. Ich ließ beobachten, wie lange die Kamine rauchten, es wurden aber viele auch begraben, vermute ich. Waren Sie jemals dort im Lager? Haben Sie versucht bei der Gestapo Erlaubnis zu bekommen? Nein, ich hatte keine Verbindung mit der Gestapo und wollte mir nicht eine Absage holen. Jeder, der etwas von Dachau wissen wollte, riskierte sofort hinaus gebracht zu werden. Ein Herr war krank, ein Priester, und kam ins Krankenhaus. Er sah krank aus. Ich fragte wie seid ihr behandelt worden. Er schaute mich tief an und schüttelte den Kopf, das sollte heißen: Ich darf nicht darüber sprechen. Aber daß er ins Krankenhaus kam, war doch etwas Gutes. Es waren verschiedene Zeiten, weil die Kommandos wechselten. In der letzten Zeit ist die Behandlung besser, aber Thyphus war dort, man sprach, daß viele starben. Von den 170, die in der Osterwoche frei wurden, hörte ich, von den Geistlichen seien nicht viele gestorben. Wir durften im letzten Jahr Pakete schicken und die Freigewordenen sahen nicht krank oder verhungert aus. (Hätte noch sagen sollen: Ein Schweizer habe darüber geschrieben, das Rote Kreuz, die Bilder nach einem Fliegerüberfall von Frauen und Kindern ...)

Der Papst muß davon erfahren haben - wir konnten keinen Bericht geben, weil wir die Zustände nicht kannten und weil keine Verbindung nach Rom, aber er schickte wen, sagte Thalhamer. Im Sonderblock schrieb Neuhäusler im Namen der vier: Wir werden gut behandelt und so habe ich auch zurückgeschrieben. Die Geistlichen, die frei wurden schon früher, erzählten nur: Sie haben täglich gemeinsamen Gottesdienst, können ihr Brevier zusammen beten, müssen nicht mehr wie früher an der Straßenwalze arbeiten. Es waren sehr verschiedene Zeiten. Wir hörten auch einmal: Sie verlangen Brot. Darauf sammelten wir bei den Pfarrern in der Umgebung und haben viel geschickt. Warum haben Sie nicht nachgeschaut? Weil der Pfarrer dort war und wenn er nicht hineindurfte, dann auch sonst niemand. Er wurde auch nicht mehr zu den Sterbenden gerufen.

Er ist nicht befriedigt, winkt immer ab, wenn der Dolmetscher seinen Gedanken nicht traf, der Stenograph machte Gesten, er komme nicht mit. Ich: Was in die Öffentlichkeit kommt von dieser Unterredung, muß ich vorher lesen. Er: Es kommt nichts in die Öffentlichkeit, das ist für unseren Geheimdienst. Wiederholt: Die Bischöfe haben Protest eingereicht, besonders in drei Denkschriften, ohne Antwort und darin die Mißstände und Zustände im Allgemeinen erwähnt, nicht bloß die camps allein. Manche verlangten von Berlin nach Dachau wie Niemöller. Sie nennen die Hungerration, aber es war in einer Zeit, in der wir alle nicht mehr die frühere Portion hatten.

Exzellenz Murphy: Wer ist verantwortlich? So etwas im 20. Jahrhundert.

Beim Abtransport unserer Gefangenen: Gesammelt in Lagern 20 000 und 70 000, die ersten Tage ohne Essen und Trinken, stehend im Freien, zum Glück warm. Wir hatten sie zu verpflegen, wir wußten nicht, wo sie sind. Die Leute vom Land trauten sich zuerst nicht.
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