Tagebucheintrag vom 25. Mai 1919Parallelansicht ⇨
Nachlass Faulhaber 10003, Seite 88-89

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25. Mai. Caecilia will morgen ins Kloster ohne Kündigung, Schwester Willibrord will mit der Frau Oberin sprechen. Abends sagt Sekretär, sie wolle bis September bleiben, aber Matthias sei auch schon unzufrieden: er sei aus seinem Berufe ausgerissen und müsse hier verbummeln.

Graf Soden wegen einer weniger wichtigen Angelegenheit und einer wichtigen. 1) Er will sein Benefizium in Neufraunhofen besetzen. Auf dem Ordinariat sei gesagt worden, er wolle nicht besetzen. Er stiftet noch 5000 M dazu, nur will er, daß der Pfarrer von Niederroth nicht in drei Monaten erst komme. 2) Daß der Papst gesagt, sein Herz gehöre Frankreich, darüber seien viele, auch Pichler aufgebracht. Respondeo: Schwerer ist das Festessen für Baudrillart gewesen. Unsachlich wohl mit dem Vorwurf, er sei deutschfreundlich, von Deutschland hat er nichts zu erwarten. Auch für unsere Mission, da kein Interesse für deutsche Kolonie.

Maria Fitz: Für den Bruder
Wahrscheinlich ist Hans Fitz gemeint.
in Gefangenschaft will ich eine Eingabe machen. Wenn Pater Coelestin zurückkommt, soll ihr religiöser Bund mehr organisiert werden, bisher kommen sie alle Woche zusammen, lesen und besprechen etwas mit culpa und machen Vorsätze. Eine eigentliche Weihe wird die Kirche nicht geben, aber das ist die Firmung. Ich schenke ihr das Neue Testament als „Lebensweihe“. Wollte hierhin zur Messe, weil ich in Gefahr gewesen und schickte später Blumen
In einer Chronik der Vereinigung der Katholischen Diakoninnen heißt es: „Als am 21. Februar 1919 durch die Ermordung Eisners unser hochwürdigster Oberhirte neuerdings Gefahren ausgesetzt war, fühlte sich Sr. Maria Franziska Salesia gedrängt im Einverständnis und im Namen der Mitschwestern ihre Teilnahme auszusprechen, die Versicherung zu geben, dass die Hora treue Mitbeter in den schweren Sorgen und Anliegen Sr. Excell. und unserer heiligen Kirche seien und die Bitte anzufügen ob einige Getreue einmal mit ihrem Oberhirten in seiner Hauskapelle beten dürften. Dieser Brief ging am 28. März mit einer Blumenspende ab und war die äussere Veranlassung einer Rückfrage des hochwürdigsten Herrn, ob die Hora an eine Professfeier denke. (VD-Chronik bis 19.8.21, in: Archiv der Erzdiözese München und Freising, Ellen-Ammann-Nachlass, Ordner 15/2, S. 6.)
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Freifrau von Prankh geborene Malsen hat in einem Keller Gemüse und Obst gesammelt. Durch Elisabethenverein und Vincentinerinnen (sehr schwerfällig) an die Armen verteilt. Für dieses Jahr weit schwieriger. Ich sichere ihr gerne eine Empfehlung zu, aber nicht im Amtsblatt. Hatte mich 1911 bei Moy gesehen.

Oberkriegsgerichtsrat Steidle wegen Stipberger, über den er mir schriftliches Material da läßt. Ich erwähne, daß manche Anklagen nicht greifbar sind, zum Beispiel über den Beichtstuhl und daß ich fürchte, es ist von seiner Frau bewußt etwas Vorsicht dabei. Jochner
Es dürften entweder Georg Maria oder Guido Jochner gemeint sein.
habe ihn mit dem Fräulein im Konzert gesehen.

Superior Pater Konrad Krauss Missionar vom Herzen Jesu, Liefering - Salzburg: Wegen der anderern Sitzung in Unterhaching. Ich erkläre ihm offen, Exerzitien und Exerzitienhäuser gehören nach meiner Auffassung den Jesuiten; ob er andere caritative Werke? Er soll ans Ordinariat schreiben, Gessl soll für Kirchberger Vorsitzender werden. Also in vanum besucht.

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Vier von der Lehrerinnen-Kongregation. Dank für die Generalkommunionfeier. Gerade für Lehrerinnen sehr wichtig für den apostolischen Gedanken. Die Karmeliterkirche sehr schmucklos wie eine Scheune, aber mittelgroße Kirchen sind so schwer zu haben. Vielleicht, wenn Schülergottesdienste ausfallen.

15.00 - 19.00 Uhr war ich allein im Kloster vom Guten Hirten. Siehe besonderes.