Tagebucheintrag vom 25. November 1918Parallelansicht ⇨
Nachlass Faulhaber 10003, Seite 20

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25. November. Wegen Fieber nicht zelebriert, Vormittag aber den Erlaß an den Klerus diktiert.

Rapporteur der Daily Mail, Professor Delmer zusammen mit Hoteldirektor Dist ler: Er kommt von Bern, in England habe man solches Mißtrauen, ob es wirklich bei uns so schlimm sei. Ich weiß von der Firmung her, wie es steht, sehr schlimm. Wir sind militärisch zusammengebrochen, nicht wirtschaftlich. Wenn wir jetzt sagen, auch wirtschaftlich am Ende, dann wäre das ernst. Um Brot betteln müssen, ist eine solche Verdemütigung für unser Ehrgefühl, daß wir nur in der Not es tun. Der Sieger muß vornehm sein. Die Völker sind darin solidarisch, weil Hunger, Krankheit, sexuelle Versuchung und Bolschewismus auch über die Grenzen greifen. Der Krieg überspannt das Nationale, nach dem Krieg also international und allgemein menschlich. Groß wirkte ihr Streit... Sie glauben bei der ausgezeichneten Organisation hätten wir in dieser Zeit zurückführen können.

Graf Arco Zineberg 1) Ich soll auf Müller einwirken, daß er den Kurier mit einer eigenen Redaktion um eine Oktav höher ausbaut. Er sollte die Artikel honorieren 2) ob ich nicht einen Auftrag gebe, vielleicht schriftlich, und er würde Geld sammeln, bei Taxis eine Millionen zu einem billigen Zinsfuß.

Nachmittags in der Priesterkongregation Pater Heribert über die Vergegenwärtigung Gottes, danach über Wahlvorbereitung. Referent Buchberger.