Tagebucheintrag vom 2. Januar 1923⇦ Einzelansicht
Nachlass Faulhaber 10008, Seite 2,3

2. Januar. Major Frauenholz überbringt ein Manuskript von Cramer-Klett über Konkordat für Neueste Nachrichten - ich möge durchlesen. Stellt politische Frage: Ein Herr Pittinger (?) komme aus Ungarn zurück und behaupte ganz fest, es bestehe der Plan einer katholischen Donaumonarchie und finanziell werde er von Rom unterstützt. Respondeo: Zu dumm, daß solche Lüge nicht sterben kann. So dumm wie die deutsche Diplomatie ist Rom nicht, wo man der Diskretion Deutschlands nicht mehr vertraut.

Pater Bourier, Professe Sankt Stephan, zur Zeit Schäftlarn: Ob ein 65jähriger Forstrat aus der Schweiz noch Priesterweihe erlangen könne? Ja, aber gewisse Studien vorher und dann allein zu weihen.

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Nachmittag besuche ich 1) Schulschwestern: Frau Generaloberin von einer zehnwöchigen Reise aus Schlesien - Böhmen zurück. Die Tschechoslowakei wird eigene Provinz werden müssen mit acht Häusern. Bertram habe in Breslau Bayern in der Schulfrage als Muster vorgestellt. Für die Au einen Herren suchen. 2) Gute Hirtinnen: Heute morgen wurde Schwester Mechtild beerdigt, während Afra noch lebt. Ich begrüße auch die Gemeinde, die aus dem Chor geholt wurde. An den 35 Aussetzungstagen in Gottesnamen nur zwei Kerzen brennen, weil die Symbolik die gleiche ist, es wird also nicht am Heiland gespart.